Uranium Network

“Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus”

Unter dem Titel “USA haben Uran auf dem Schirm” berichtet die Webseite “vestorscapital.com” darüber, dass Präsident Trump vorgeschlagen habe, dass der US-Haushalt für die kommenden zehn Jahre jeweils 150 Millionen US-Dollar für die Schaffung von Uranreserven beinhalten soll. Die US-Regierung will so “den Uran-Produzenten unter die Arme greifen” und die Verfügbarkeit von Uran durch heimische Quellen sicherstellen. Man wolle sich “nicht mehr im großen Stil auf Länder wie Russland oder Kasachstan verlassen müssen”.

Allgemein liege “eine Angebotslücke beim Uran vor, die bei Uranwerten für gute Aussichten sorgen sollte”. Die durchschnittlichen Förderkosten “von rund 40 US-Dollar je Pound Uran” würden derzeit noch nicht für die Erkundung neuer Minen sorgen.

Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus, erklärt Günter Wippel vom Uranium Network:

Tatsache ist, dass der Uranbergbau in den USA u.a. aufgrund verschärfter Umweltschutzvorschriften etc. massiv zurückgegangen ist, es wird nur ein geringer Prozentsatz (10%) des in US-AKWs verbrauchten Urans in den USA gefördert, ein großer Teil wird aus Ländern wie Kanada (24%), Kasachstan (20%), Australien (18%), Russland (13%) etc. importiert. Diese Länder können Uran zu günstigen Preisen liefern.

Einigen Uranfirmen, allen voran Energy Fuels und UR-Energy, war dies ein Dorn im Auge, da sie ihre eigenen Uranprojekte in USA nicht voranbringen konnen, da sie nicht auf dem Weltmarkt konkurrieren konnten.

Energy Fuels war im übrigen in den Besitz der Canyon Mine am Grand Canyon gekommen, die bereits vor rd. 30 Jahren begonnen worden war, aber aufgrund des damals fallenden Uranpreises und massiven Widerstandes von Umweltschützer*innen und Indigenen Havasupai (“Indianer”) aufgegeben werden musste. Das Unternehmen, das die Mine betreiben wollte, musste daraufhin Insolvenz anmelden.

Darüber hinaus hatte die Obama-Administration einen 20jährigen “ban” für Uranbergbau in der Umgebung des Grand Canyon verfügt (der allerdings nur neue Uranvorhaben betraf). Energy Fuels und UR-Energy unternahmen in den vergangenen 2 Jahren alle möglichen Versuche, diesen “ban” per Gericht kippen – erfolglos.

Energy Fuels begann die Canyon Mine in Betrieb zu nehmen – auf Basis einer 30 Jahren alten Genehmigung, die auf einer ebenso alten Umweltverträglichkeitsprüfung beruhte. Gerichte verwehrten zunächst Umweltschützer*innen und den Havasupai, die in einem Seitencanyon des Grand Canyon unterhalb des Bergwerks leben, diese alte Genehmigung anzufechten. Später wurde ihnen dieses Recht jedoch zugesprochen. Energy Fuels und UR-Energy versuchten auch auf anderem Weg, zum Ziel zu kommen und reichten eine “Petition” ein, Uran als Material von strategischer Bedeutung für die “nationale Sicherheit” der USA einstufen zu lassen, und eine Quote durchzusetzen: 25% des in US-AKWs verbrauchten Urans sollten aus US-Uranbergwerken kommen.

Hinweis: Für Atomwaffen ist kein “neues” Uran erforderlich, da die USA – und auch Russland – erhebliche Vorräte an hochangereichertem Uran (HEU) besitzen, das ihnen ermöglicht, eine große Anzahl von Atomwaffen zu bauen, OHNE neues Uran zu benötigen …

Diese QUOTE hätte für die US-Uranunternehmen bzw. Bergwerke einen konkurrenzlosen Markt geschaffen, auf dem sie (fast) jedweden Preis für Uran hätten durchsetzen könnnen, da die US-AKW-Betreiber gezwungen gewesen wären, 25% ihres Uranabedarfs “inländisch” zu decken.

Die Petition führte zu einer “Section-232”-Untersuchung, die im Frühjahr 2019 allerdings nicht zu dem Schluss kam, dass Uran von strategischer Bedeutung für die nationale Sicherheit des USA wäre; weiteres war der Entscheidung des Präsidenten überlassen.

Eine Quote für US-Uran hätte einerseits die anderen Uran-Lieferländer, u.a. Australien, verprellt, und darüber hinaus die US-AKW-Betreiber getroffen, die mehr fürs Uran hätten bezahlen müssen; selbst die erzkonservative Heritage Foundation fand die Quote unpassend.

Der Präsident wand sich, und berief eine “Nuclear Fuel Working Group” ein, die innerhalb von drei Monaten zu einem Ergebnis / Empfehlung kommen sollte. Die Frist wurde allerdings verlängert und war dann Mitte Nov. 2019 endgültig zu Ende. Die Ergebnisse der Working Group sind nicht öffentlich, aber es ist klar, dass die “Quotenregelung” nicht empfohlen wurde.

Vorgeschlagen wurde daraufhin der Aufbau einer US-Uranbank – vermutlich als Folge der Empfehlungen der Nuclear Fuel Working Group (und von Überlegungen des Präsidenten bzw. seiner Berater).

Gesetz für dauerhaften Schutz des Grand Canyon

Gleichzeitig haben Umweltschutz-Organisationen wie der Grand Canyon Trust, Sierra Club, EarthJustice, die Indigenen der Region Dine / Navajo, Havasupai u.a. mit Unterstützung der Tourismus-Unternehmen der Grand Canyon Region und mit der Hilfe des Repräsentanten von Arizona, Raul Grijalva, ein Gesetz zum Schutz der Grand Canyon Region eingebracht. Das Repräsentantenaus hat dieses Gesetz angenommen. Ob es auch vom US-Senat angenommen wird, bleibt abzuwarten.

Dieses Gesetz würde dauerhaft den Uranbergbau in der Region des Grand Canyon verbieten, die Canyon Mine und andere Projekte in der Region wären damit endgültig zum Erliegen gebracht.

Die Anläufe der Uran-Unternehmen, sich mit der Quoten-Regelung einen (konkurrenzlosen) US-Markt zu schaffen, waren nicht erfolgreich.

Was die Aussage “Allgemein liegt eine Angebotslücke beim Uran vor, …” angeht, so kann man kaum mehr an der Realität vorbei “argumentieren”:

  • Aus seriösen Quellen ist eindeutig zu entnehmen, dass mehr Uran auf dem Markt angeboten wird als nachgefragt, und das zumindest bis 2020 oder länger; da der Zu-Bau neuer AKWs aber schleppend vorangeht, wird der Angebotsüberhang eher länger bestehen.
  • In der Konsequenz haben zwei der großen Uranabbau-Unternehmen – die kanadische CAMECO und die kasachische KAZATOMPROM – ihre Produktion erheblich zurückgefahren:
    – CAMECO schloss sein großes Uranbergwerk McArthur River in Nord-Saskatchewan, zunächst vorübergehend, kurz darauf hiess es: “… auf unbestimmte Zeit”
    – KAZATOMPROM kündigte an, seine Produktion um 20% zu kürzen.
  • Sowohl die AKW-Betreiber als auch die Staaten, in denen AKWs betrieben werden, sitzen auf erheblichen Uranreserven (Bedarf für 2 Jahre und mehr) – und sehen deshalb keine Notwendigkeit, noch mehr Uran zu kaufen.
  • Japanische AKW-Betreiber wie TEPCO versuchen, ihre Uranreserven zu veräußern, da sie keine Verwendung mehr dafür haben. TEPCO hatte einen Uranliefervertrag mit CAMECO / Canada zu kündigen versucht, das ganze ging vor Gericht. Letztlich gab es eine Entschädigungszahlung, und in der Folge legte CAMECO – siehe oben – sein McArthur River Uranbergwerk still.

Beide Produktions-Minderungen sind letzlich auch Spätfolgen von Fukushima: Nachdem Japan alle seine 54 AKWs 2011 abgeschaltet hatte und bislang fünf davon wieder ans Netz gehen durften, ist die Nachfrage nach Uran weltweit in der Größenordnung von rund 10 Prozent eingebrochen. Der Uranpreis ist – entgegen anders lautender Prognosen einschlägiger Beratungsfirmen – nicht gestiegen.

Die Idee einer “Uranbank” in USA (obwohl Kasachstan schon dabei ist, eine solche internationale “Bank” anzulegen) dient den Interessen einiger Uranfirmen mit Projekten in den USA – und sie wird den Steuerzahler Millionen und Milliarden kosten, um (eventuell) die Gewinne der Unternehmen mit US-Uranprojekten zu finanzieren.

Newcomer wie UraniumEnergy, IsoEnergy etc.pp., die im Artikel genannt sind, dürften dabei wenig Chancen haben, da die großen Uran-Unternehmen auf ihre existierenden Bergwerke und Uranverarbeitungsanlagen zurückgreifen können und diese ziemlich sicher schneller und kostengünstiger wieder anfahren können als neue Unternehmen ein neues Uranbergwerk einrichten und zum Laufen bringen können.

Unter der protektionistischen Haltung des derzeitigen US-Präsidenten ist allerdings (nahezu) “alles” möglich…

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