Wie mehrere Medien berichteten, wurde am 30. Juli 2025 ein Pilot-Projekt für den Uranbergbau mit in-situ leaching (ISL) eingeweiht.
Eine Entwicklung in diese Richtung hatten wir schon 2024 beobachtet; es schien so, dass die tansanische Regierung mehr Interesse am Beginn des Uranbergbaus hat als die Betreiber Mantra / ROSATOM selbst: die Genehmigung wurde von Regierungsseite vorangetrieben, obwohl dies eigentlich in Interesse des Unternehmens ist – seltsam.
Die erhofften Einnahmen aus dem Uranbergbau könnten die Motivation dafür sein.
Angesichts der Sanktionen der USA und nun auch der EU gegen russisches Uran ist die Frage, an WEN ROSATOM das gewonnene Uran verkaufen will (USA und EU plus UK betreiben fast 50% der weltweiten AKWs, China weitere 15% – und China hat sich seinen Uranbedarf anderweitig gesichert).
ROSATOM (und Tochterunternehmen) hatten das Vorkommen 2010/11 vom australischen Unternehmen MANTRA entdeckte Vorkommen für 1,6 Mrd. Australische$ gekauft. Böse Zungen sagen, ROSATOM habe für das Vorkommen im damaligen Boom viel zu viel bezahlt.
Der Start des – in der Region der schwer zugänglichen UNESCO World Heritage Site Selosu Game Reserve – wurde mehrfach verschoben, die Abbaumethode vom geplanten open-pit mining, offenem Tagebau, zu ISL geändert.
Nun ist erstmal von einem ‘pilot project’ die Rede, 2029 soll dann die Anlage voll in Produktion gehen und 3.000 t Uran / Jahr erbringen.
Der Abbau soll nun per in-situ leaching (ISL) bewerkstelligt werden, das als “umweltfreundlich” dargestellt wird. In Wirklichkeit wird die Methode aber wegen geringerer Investitions- und Betriebskosten angewendet wird (wie aus einer älteren Präsentation des Unternehmens hervorgeht).
Untersuchungen aus den USA zeigen, dass in keinem der ISL-Bergwerke in USA die Grundwasserqualität von vor dem Abbau wiederhergestellt werden konnte, obwohl über Jahre ‘gespült’ wurde.
Ob die jetzigen Betreiber sich die Mühe machen werden, jahrelang zu spülen, um die Gesteinsschichten zu reinigen, sei dahingestellt.
Die Einnahmen aus dem Uranbergbau – es sind wohl Prognosen über die geschätzte Laufzeit des Projekts von 20 Jahren – sind dann auf’s Jahr heruntergerechnet, kleine Zahlen.
Unberücksichtigt sind die Kosten einer ‘reclamation’, einer Sanierung nach Ende des Abbaus. In wirtschaftlich schwächeren Ländern oder abgelegenen Regionen unterbleibt häufig die Sanierung – zu Lasten der Umwelt und dort bzw. in der Nähe lebenden Menschen.
Das Abbaugebiet liegt in den ‘headwaters’, dem Einzugsgebiet des Rufiji River, dem größten Flußsystem Tansanias.
Der Status der World Heritage Site – die Präsident Magafuli, der Vorgänger von Samia Hassan, die auf den Posten nach dem Tod von Magafuli ‘gerutscht’ war – ist nach wie als “in Danger”, gefährdet, eingestuft.
Das UNESCO World Heritage Committee – von der tansanischen Regierung nicht sonderlich beachtet – konnte bisher keine ‘Reactive Monitoring Mission’ durchführen, obwohl der (verstorbene) Präsident Magafuli die World Heritage Site Selous Game Reserve ohne jede Rücksprache mit der UNESCO 2020 einfach aufgespalten hatte, um letztendlich den Bau eines riesigen Staudammsystems am Unterlauf des Rufiji River zu ermöglichen.
Man beachte auch die Aussagen des russischen Botschafters: Uran und Atomkraft werden als “erneuerbare Energie” apostrophiert … leider eine Tendenz, die sich immer weiter ausbreitet, vor allem in Afrika, das zur Zielscheibe der Atomindustrie geworden ist.
siehe: “President Samia Unveils Pilot Uranium Processing Plant: ‘A New Era for Tanzania’”
Günter Wippel, 1. August 2025
